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Ortsgeschichte

Alte Ortsansicht BlaichachBlaichach wird 1275 erstmals urkundlich als Pfarrei erwähnt – die Nebenorte teilweise schon früher. So gehört Blaichach mit seiner schon in fränkischer Zeit gegründeten Martinskirche zwar nicht zu den ältesten Pfarrorten, aber doch zu den alten Pfarreien des Landkapitels Stiefenhofen.
Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Ettensberg, Hofen, Altmummen, Schwanden, Reute, Tanne und seit 1972 Gunzesried, das bis dahin mit den Ortschaften Bihlerdorf, Seifriedsberg, Kühberg, Halden und dem Ortsteil Säge eine eigene Gemeinde war.


Burg zu Ettensberg
Oberhalb von Blaichach liegt die Burgruine Ettensberg, welche in den Besitz der Grafen von Montfort kam, die sie zumeist durch Vögte verwalten ließen. Von 1446 bis 1466 war die Burg Witwensitz der Gräfin Beatrix von Montfort, welche 1457 einen Jahrtag in die Kirche zu Blaichach gestiftet hat.





Das Montforter Wappenzeichen mit seinem übergekreuzten Eichenblättern wurde in das Blaichacher Gemeindewappen aufgenommen. Dieses findet man auch noch auf dem spätmittelalterlichen Taufstein, der sich heute noch in der Pfarrkirche St. Martin befindet. Von 1562 bis ca. 1590 betrieben die Grafen von Montfort am Schwarzenbach eine Eisenschmelze, die dann in eine Glashütte umgewandelt wurde.
Wie die größeren Märkte und Städte der Umgebung blieb auch das kleine Pfarrdorf in dieser Zeit von Pest, Hunger und Not nicht verschont. Große Lücken hat der 30-jährige Krieg in die Bevölkerung gerissen, denn fast die Hälfte aller Bauernhöfe der Pfarrei war verödet. Über Leibeigenschaft, hohe Zinslasten und Teuerungen stöhnten die Bewohner von damals genauso wie in anderen Orten. Blaichach blieb ein kleines Pfarrdorf, das man in der Umgebung einfach „s Pfärrle“ nannte und das noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts nur 370 Seelen zählte.

1827 wurde hier von dem Schweizer Johann Althaus erstmals außerhalb der Schweiz Emmentaler Käse hergestellt, ein Auftakt zur Entwicklung des Allgäus zum großen Käseerzeugergebiet Deutschlands.

Alte Spinnerei und Weberei in BlaichachZwei andere Schweizer Unternehmer Johann Schmid und Franz Bindschädler errichteten anstelle der von ihnen gekauften Mahl- und Sägemühle am Schwarzenbach 1850 eine Spinn- und Weberei. Daneben entstanden große Mietshäuser für die vielen Arbeiter, die im Großbetrieb beschäftigt waren. Die 500 bis 600 Arbeiter, die größtenteils schon damals als Gastarbeiter auf einmal in den Ort kamen, verursachten eine gewaltige Umwälzung aller bestehenden sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse.
Das Unternehmen wuchs unter der Leitung des tüchtigen Schweizers Heinrich Gyr durch Vergrößerung der Anlagen und Eröffnung von Filialbetrieben in Hindelang und Oberstdorf beachtlich. Über 100 Jahre hat die Allgäuer Baumwollspinn- und Weberei die Entwicklung von Blaichach maßgeblich beeinflusst. Ihr verdankt die Gemeinde den Aufstieg vom unbedeutenden Dörfchen zum bekannten Industrieort.

Trachtenverein Blaichach um 1900Bereits 1873 ist Blaichach Bahnstation geworden. Die stetig steigende Bevölkerungszahl ließ auch die Zahl der Häuser wachsen und machte nach der Jahrhundertwende den Neubau der katholischen Pfarrkirche notwendig. Das Vereinsleben nahm in dieser Zeit einen raschen Aufschwung. 1862 wurde der Turnverein Blaichach und 1866 die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Ein Schützenverein bestand schon und 1909 kam der Trachten- und Heimatverein hinzu. 1906 wurde die Fabrik durch den Neubau einer Weberei wesentlich vergrößert und eine große Zahl neuer Arbeitsplätze geschaffen. Eine spürbare Vergrößerung des Ortes und eine damit verbundene rege Bautätigkeit ergab sich mit der Eingliederung von über 600 Heimatvertrieben in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg.

Firma Bosch in BlaichachEinen erneuten großen Sprung nach oben machte das Wachstum des Ortes im Jahre 1960, als die Allgäuer Bauwollspinn- und Weberei von der Firma Robert Bosch erworben wurde. In den folgenden Jahren wurden durch die Erweiterung der Werksanlagen und Produktionsstätten weit mehr Arbeitskräfte benötigt als in der Textilindustrie. Die Einwohnerzahl stieg von rund 2.800 auf fast 4.000, die Zahl der Beschäftigten von 900 auf 2.500.



Seifriedsberg in Blaichach1972 wurde die Nachbargemeinde Gunzesried mit über 1000 Einwohnern nach freier Entscheidung ihrer Bürger in die Gemeinde Blaichach eingegliedert. Die rein ländlich strukturierte Gemeinde eröffnete neue Möglichkeiten für den Ausbau des Tourismus und der Naherholung. Mit über 4.000 ha war das Gemeindegebiet Gunzesried wesentlich größer als das der Gemeinde Blaichach. Schon früh war dort die Alpwirtschaft bis ins obere Autal vorgedrungen. Eine Urkunde aus dem Jahre 820 erwähnt bereits Käselieferungen der Alpe Gelchenwang an den fränkischen Hof. Pfarrort war von alters her Seifriedsberg, das ebenfalls schon 1275 in einem Pfarrverzeichnis erwähnt wird. Unweit der oberen Zollbrücke auf dem Hügel südlich von Bihlerdorf erhob sich die 1353 erwähnte Burg Seifriedsberg. Die obere Zollbrücke wurde 1494 unter Graf Hugo von Montfort-Rothenfels erbaut und 1849 durch eine neue, etwas stromabwärts gelegene Brücke ersetzt. Man nennt sie Marienbrücke, weil sie im Beisein von Königin Maria von Bayern eingeweiht wurde.

Ortsansicht Blaichach mit Kirche, Rathaus, Schule und Sporthalle

In den Jahren 1982 und 1983 errichtete die Gemeinde Blaichach mit erheblichem Kostenaufwand ein modernes Feuerwehrgerätehaus mit Bauhof. Im Jahre 1986 wurde die Erweiterung des gemeindlichen Friedhofes in Angriff genommen, die in den Jahren 1987 und 1988 mit dem Neubau einer Friedhofskapelle und eines Leichenhauses abgeschlossen wurde.

In den Jahren 1990 – 1996 erfolgten umfangreiche städtebauliche Sanierungen. So wurde beispielsweise der Kirchplatz vollkommen neu in einen verkehrsberuhigten Bereich umgestaltet, wobei auch das Gelände des alten Friedhofes in die neugestaltete Anlage integriert wurde. In einer Gemeinschaftsbaumaßnahme mit dem Landkreis Oberallgäu wurde die Ortsdurchfahrt Blaichach (Kreisstraße OA 5) ausgebaut und die Straßenrand und -nebenbereiche im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms ebenfalls neu gestaltet. Abgeschlossen werden konnte in dem genannten Zeitraum auch die Kanalisation des gesamten Gemeindebereiches. Damit fließen nunmehr keinerlei ungeklärte Abwässer mehr aus der Gemeinde in die Bäche und Flüsse.

Zur Förderung des Familienheimbaues konnten mehrere kleinere Baugebiete erschlossen werden. Zur Verbesserung der Infrastruktur wurden außerdem zwei Baugebiete zur Ansiedlung von Gewerbegebieten ausgewiesen. Im Jahre 1993 baute die Gemeinde einen neuen Kindergarten an der Gradnerstraße. Zum Schulbeginn 2001/2002 nahm die neu erstellte 3-Fach-Turnhalle bei der Volksschule Blaichach ihren Betrieb auf. 2002 bot die Gemeinde 41 Grundstücke „Am Scheibenbach“ nach dem Einheimischenmodell für den Eigenheimbau an. 2008 standen noch 9 Bauplätze zur Verfügung. 2007 wurde durch die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen in Hofen-Nord und Bihlerdorf-Nord die Ansiedlung größerer Gewerbebetriebe möglich. Die ab 1990 bis 2008 aufgestellten Bebauungspläne Neukreuth, Erweiterung im Krummen/Burgberger Straße, Oberer Weg, Gartenstraße und Kanzelthal boten zahlreichen Familien die Möglichkeit, Wohnungseigentum zu schaffen.

2010 wurden das Bahnhofsgebäude und der Gasthof Reichsadler abgebrochen. Hier sollte eigentlich das neue Vereinsheim entstehen, das nun auf dem ehemaligen Wölfle Gelände in der Sonthofener Str. seinen Platz gefunden hat.

Nach den Hochwasserereignissen 1999, 2002 und 2005 investierte die Gemeinde mehrere Millionen Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen an der Iller, an Gunzesrieder-Ach/Schwarzenbach, am Bihlerdorfer Dorfbach, am Scheibenbach und am Schwandener Bach.